Heroes of Tomorrow – Episode 6

Episode 6: A Test of the Mind

 

Nate – 10. März 2006

 

Das alte, schwarze Auto, dass ich so gut kannte, hielt vor dem Kindergarten an. In dem Moment, als Dad ausstieg, rannte ich in seine Arme. Wie immer machte er sich nichts aus Verkleidungen in der Öffentlichkeit. Seine zerzausten, blauen Haare hätte man sowieso nicht verstecken können. Er drückte mich fest an sich: «Na, Champ? Alles klar? Wie war dein Tag?» Ich löste mich aus seiner Umarmung: «Geht so…» Er erschrak, als er mein blaues Auge sah: «Wer war das?»

 

«Du darfst dich von diesem Mason nicht rumschubsen lassen. Sonst hört er nie auf», riet mir Dad. Wir machten mal wider einen Nachmittagsspaziergang durch den Carl Schurz Park, den ich von Dads Schultern aus überblickte wie ein Pirat in seinem Krähennest. Bis jetzt hatte ihn noch niemand angesprochen, was ich gut fand. Ich hatte ihn gerne ganz für mich allein. Auch wenn es echt cool war, dass er der grösste Held der ganzen Welt war. Ich antwortete ihm nicht.

 

Er hielt an und setzte mich ab. Er bückte sich zu mir runter und griff meine Schultern. Seine braunen Augen sahen mich besorgt an: «Nate, ich weiss es ist nicht einfach, sich jemanden zu behaupten, der stärker ist als man selbst. Aber wenn du ihn nicht mit purer Kraft besiegen kannst, dann musst du eben deinen stärksten Muskel verwenden!» Er tippte sich an die Stirn. «Und vergiss nicht: Lach dem Bösen immer ins Gesicht. Denn die, die in dieser Welt am meisten lachen, sind immer die stärksten. Ok?» Ich nickte.

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Heroes of Tomorrow – Episode 5

Episode 5: The Intricacies

 

Rem – 23. September 2018

 

Ich wachte in meinem Bett auf. Ich wischte mir den Schlaf aus den Augen und sah mich um. Alles wie immer. Meine Comics waren noch immer in der einen Zimmerecke, zusammen mit meinen Action-Figuren, und das Aquarium mit den fröhlich herumschwimmenden Fischen erhellte den dunklen Raum. Ich sah auf den Digitalwecker auf meinem Nachttisch: 2:00 Uhr in der Früh. Ich war von lauten Geräuschen wach geworden, die von unten aus dem Wohnzimmer kamen. Leise stand ich auf und schlich zur Zimmertür. War ich irgendwie kleiner als sonst?

 

So leise wie möglich öffnete ich meine quietschende Zimmertür. Unten brannte das Licht und ich hörte meine Eltern. «Hör auf, Logan! Du bist betrunken!», rief meine Mutter. Sie klang… verängstigt. Etwas klirrte. Dad schien wieder Geschirr durchs Haus zu schmeissen. «N-nein! Ich beruhige mich… nicht, Melissa!!! Wo sind meine Kinder!», schrie mein Vater. Ich hatte ihn schon lange nicht mehr so betrunken erlebt. Ich hörte Hope aus ihrem Zimmer weinen. Kurz wurde es still unten. Dann taumelte mein Vater Richtung Treppe: «Ich geh jetzt zu meiner Tochter!» Moms rannte schnell hinterher. Zumindest klang es so. Sie packte ihn: «Nein! So lass ich dich nicht zu meinem Baby!»

 

Ich hörte ein lautes Klatschen. Mein Vater schrie erneut: «Lass mich los!» Mom wimmerte, gab aber nicht nach: «So lass ich dich nicht zu meinen Kindern, du Monster!!!» Sie schrie. Schnell rannte ich nach unten. Auf der letzten Stufe erstarrte ich. Dort, im Wohnzimmer… lag meine Mutter auf dem Boden. Sie war absolut regungslos und hatte ein Küchenmesser in der Brust stecken.

 

Ich rannte so schnell auf sie zu, dass ich stolperte. Kurz vor ihr trat ich auf den Boden auf und landete mit den Händen in der Blutpfütze, die sich langsam um sie ausbreitete. Ihre Haut war absolut leblos. Ich schüttelte sie verzweifelt: «Mom? Mom?! Mom, sag was!!!» Keine Reaktion. Aber ich konnte nicht aufhören. Ich konnte vor lauter Tränen kaum sehen und meine Hände waren blutverschmiert. Ich schrie. Ich schrie mir die Seele aus dem Leib. Hopes Weinen war lauter geworden. Die leblosen Augen meiner Mutter starrten ins Nichts. Und vor mir stand mein Vater, auf sein Werk herabblickend. Er lachte.

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Heroes of Tomorrow – Episode 3

Episode 3: Class 1A

 

Nate – 13. August 2018

 

Der salzige Geruch der Upper Bay kam mir entgegen, als ich den Hafen erreichte. Die Sonne ging erst gerade auf. Ich musste wegen dem Weg zur Fähre und der Fährenfahrt selbst jetzt besonders früh raus. Die neuen Magnetschienen-U-Bahnen machten es aber leichter und schneller. Ok… erster Schultag. Wird schon. Ich richtete meine Jeansjacke, deren Fellfütterung mich gut vor der langsam anrollenden Herbstkälte schützte. Prim hatte mir schon geschrieben, dass wir offenbar in derselben Klasse sassen. Schön, dann hatte ich schon mal jemanden, mit dem ich mich verstand. Was Mason und Lamb anging… Mason und ich hatten seit Beginn der Sommerferien nicht gerade viel kommuniziert, und Edward hatte sich nach der Siegerehrung nach den Prüfungen sofort verdrückt. Naja, mal sehen.

 

Ich schlenderte zur Fähre und scrollte dabei meinen Chatverlauf mit Prim durch. Seit der Prüfung hatten wir jeden Abend miteinander geschrieben. Ich hatte schnell herausgefunden, dass sie eher der artistische Typ war. Photographie, Skizzenmalerei, alles was dazugehörte. Sie freute sich ziemlich auf die neue Schule. Ich war mir da nicht so sicher. Der ganze erste Jahrgang wusste jetzt, dass ich ein Akio war. Das würde es nicht gerade leicht machen. Meine schwarzmalerischen Gedanken wurden von lautem Gezanke unterbrochen.

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