Die Stille von Super Mario Galaxy

Habt ihr schonmal in den Nachthimmel hochgesehen, die Sterne betrachtet und realisiert, wie klein wir alle doch sind? Hi, Leute. Das hier ist eher ein ernsterer Beitrag, aber ich hatte das Gefühl, dass ich diese Gedanken in die Welt hinaustragen sollte. Vielleicht hilft dieser Artikel ja manchen von euch, die sich gerade oder in Zukunft etwas verloren fühlen, etwas weiter.

Heute geht es um die Stille in Super Mario Galaxy. Mario Galaxy erschien 2007 für die Nintendo Wii. Das Spiel wird vor allem für seine unglaublich schöne, orchestrale Musik gelobt. Lieder wie Gusty Garden Galaxy stehen heute als Symphonien der Musikgeschichte da und lassen Mozart fast schon alt aussehen. Das Spiel beginnt wie die meisten Mario Spiele im Pilzkönigreich und bereits hier haut einen die Musik fast um. Es ist die Einleitung in ein Abenteuer durch die Sterne, begleitet von einem Soundtrack, der bei mir fast schon Gänsehaut auslöst.

Aber so beginnt Marios Abenteuer nicht. Als Prinzessin Peach von Bowser entführt wird, wird Mario besiegt und ins Weltall katapultiert. Als er erwacht, findet er sich auf einem Planeten wieder, der nicht grösser ist, als ein kleiner Mond. Die Kamera zoomt heraus und man erblickt das grosse Universum und einen riesigen Planeten, gegen den dieser kleine Planet nichts ist. Mario ist beinahe verschwindend klein. Dies ist einer der wenigen Momente im Spiel, in der absolute Stille herrscht. Keine Orchester. Keine Musik. Gar nichts. Seit ich selbst diesen Moment erlebt habe, denke ich manchmal darüber nach, was er wohl bedeutet.

Ich denke, dass Nintendo, obwohl sie ganz besonders bei Mario Spielen auf fröhlich und sorglos setzen, uns Spielern eine Botschaft schicken. Man führt uns die unendliche, beinahe erdrückende Unendlichkeit des Universums vor Augen. Denn eines ist in Mario Galaxy immer konstant. Er ist immer da, der Sternenhimmel. Jeder Zeit kann man nach oben sehen und in die Lehre des Universums starren, wenn man das will. Aber dieser Moment, am Anfang des Spiels zeigt durch seine Stille auf, wie kalt und bedeutungslos das Dasein in einem so grossen Universum ist.

Aber dies ist nicht der einzige Moment im Spiel, in dem alles ruhig ist. Die Bibliothek und die Observatorien auf Rosalinas Sternwarte, Marios Operationsbasis, kommen da in den Sinn. In der Bibliothek erzählt Rosalina den Lumas, ihren Sternkindern, ihre Geschichte. Rosalina erzählt davon, wie sie das Weltall durchwanderte, weit entfernt von ihrem Heimatplaneten. Zwar trifft sie die Lumas, die sie alle lieben wie eine Mutter, aber trotzdem nagt das Heimweh an ihr. Weinend wünscht sie sich nichts mehr, als die erdrückende Kälte des grossen Universums hinter sich lassen zu können und zu ihrer lieben Mutter, nach Hause zurückzukehren. Aber das ging nicht. Ihre Mutter war bereits vor einiger Zeit verstorben. Und erst als Rosalina dies erkannte, realisierte sie, dass das ganze Universum ihr Zuhause war.

Die Observatorien sind kleine, alltägliche Bereiche der Sternwarte. Über sie gelangt man zu den verschiedenen Galaxien des Spiels. Trotzdem sind es ganz alltägliche Räume. Ein Badezimmer, eine Küche, ein Schlafzimmer und so weiter. Sie haben beinahe etwas heimeliges, geborgenes an sich. Aber ein Observatorium hat mich immer besonders fasziniert. Das letzte, ganz oben auf Rosalinas Sternwarte. Lange habe ich damals darüber nachgedacht, was sich dort wohl befindet. Beobachtet Rosalina dort mit einem gewaltigen Teleskop die Sterne? Ist dort der riesige Apparat zu finden, der das Raumschiff antreibt? Nein. Als ich das letzte Observatorium betrat, war ich überrascht. Was dort zu sehen ist, ist eine gewaltige Wiesenlandschaft mit einigen Klippen. Hier und da gibt es noch ein paar Felsen und Blumen. Es ist vollkommen ruhig.

Seltsam, wenn man bedenkt, dass diese Landschaft sich im Inneren eines Raumschiffs befindet. Seltsam, bis man etwas darüber nachdenkt. Ich glaube, dass dieser Ort die Heimat symbolisiert. Vielleicht Marios, vielleicht Rosalinas, aber ganz besonders unsere Heimat. Deine und meine Heimat, den Ort an dem man sich zu Hause fühlt. Denn egal, wie gross das Universum auch scheint, wir alle haben einen Ort, den wir Zuhause nennen können. Es muss nicht mal ein Ort sein, vielleicht sind es auch die Menschen, die einen umgeben, vielleicht ist es ein ganz bestimmtes Gefühl.

Es gibt noch einen Moment in Super Mario Galaxy, in dem es komplett still. Das heisst, nicht ganz. Am Ende des Spiels opfern sich alle Lumas um ein schwarzes Loch aufzuhalten, das im Inbegriff ist, den ganzen Kosmos zu verschlingen. Nach einem grellen Lichtblitz schwebt Mario durch eine Art Sternnebel. Rosalina schwebt ihm gegenüber und alles was man hört, ist das Schreien eines neugeborenen Babys. Rosalina erklärt, dass dies das Geschrei des ersten neugeborenen Sternenkinds ist und dass aus etwas Altem, das vergeht, immer etwas Neues, vielleicht sogar etwas Besseres wird. Es sollen schöne, beruhigende Worte sein, aber mich erfüllten sie immer mit panischen Existenzzweifeln. Der Gedanke, dass ich eines Tages sterben werde, zu Staub zerfalle und sich irgendwann niemand mehr an mich erinnert erfüllte mich lange mit Angst.

Aber dann realisierte ich etwas. Ich habe am Anfang des Artikels erwähnt, dass die Unendlichkeit und die Stille des Universums einem ein Gefühl der Sinnlosigkeit gibt. Aber halt einen Moment inne und frage dich: Warum genau braucht das Leben einen Sinn? Warum sollte man ab seiner Geburt in Angst vor dem Tod leben, wenn alles dazwischen doch so wunderschön ist? Klar, es ist nicht alles perfekt, aber die Momente, die es sind, die zählen. Die Momente, die wir mit Freunden, Familie, den Menschen, die wir über alles lieben, verbringen. Kein Geld der Welt vermag solche Momente zu erkaufen. Und nichts sollte uns diese Momente verderben, vor allem nicht irgendein ach so wichtiger Sinn in dem Ganzen.

Ja, eines Tages sterben wir. Irgendwann wird auch die letzte Erinnerung an uns verbleichen. Und irgendwann, wenn die Sonne die Erde verschlungen hat, wenn alle Sterne so dicht geworden sind, dass sie alle zu schwarzen Löchern werden, wenn selbst diese schwarzen Löcher in hellen Lichtexplosionen aus der Existenz verschwinden und auch das letzte bisschen Materie zerfallen ist: Dann wird alles bedeutungslos. Nichts wird sich je wieder verändern, die Zeit ist nicht mehr messbar. Es gibt keinen Sinn mehr. Und das ist in Ordnung. Denn unser Sinn ist genau hier, im Hier und Jetzt. Denk nicht so viel über die Zukunft nach. Geniess die Zeit, die du hast, mit den Menschen, die dir am allerwichtigsten sind. Geniess das Leben… in unserem grossen, weiten Universum.