Avengers – Endgame: Das Endspiel von 10 Jahren Marvel

“Heroes are made by the paths they choose, not the powers they are graced with” – Brodi Ashton

Nach über 10 Jahren findet das Marvel Cinematic Universe, oder zumindest die Infinity Saga, nun endlich ihr Ende in Avengers: Endgame. Und was für ein Ende. Die letzte Review meinerseits liegt schon ein Weilchen zurück, was einer der Gründe ist, warum diese hier etwas anders aufgebaut sein wird. Aber auch ist es mir nicht möglich, diesen Film mit einfachem Zahlen-Abgrasen zu erklären. Endgame ist wesentlich mehr als das, soviel sei gesagt. Und mit diesen Worten beginnt meine Review zum Ende des MCUs, dem Endspiel einer Ära.

Im Vorfeld war ich sehr besorgt, was Endgame anging. Das lag natürlich an potenziellen Leaks und Spoilern, aber auch ging es um den Film selbst. Seit 2008 Iron Man in die Kinos kam, war ich ein riesiger Fan des MCUs. Diese Charaktere begleiteten die bessere Hälfte meines Lebens und wurden mit der Zeit mehr, als nur irgendwelche Filmfiguren. Für mich waren, sie Menschen, Helden und am wichtigsten: Sie wurden für mich zur Familie. Deswegen war ich nicht sicher, ob Endgame meinen Erwartungen gerecht wurde, dieser Familie ein befriedigendes Ende zu bringen. Aber ich wurde nicht enttäuscht.

Normalerweise würde ich mit meinen Höhepunkten anfangen, aber der gesamte Film ist ein einziger Höhepunkt. Beginnen wir also ganz am Anfang. Clint Barton alias Hawkeye (Jeremy Renner) ist auf seiner kleinen Familienfarm mit Frau und Kindern. Mit seiner Tochter übt er gerade Bogenschiessen, während Söhne und Mutter das Mittagessen vorbereiten. Doch plötzlich geht alles schief. Clint ist plötzlich der einzige, der von der Familie noch zu sehen ist. Wo die anderen standen, sind nur noch Staubpartikel zu sehen. Alle im Kino halten den Atem an, mit der zerschmetternden Realisation, was gerade passiert ist. Die Macht der Infinity Steine hallt durchs Universum, Thanos Schnippen läutet das Endspiel ein. Wir alle fragen uns, wie die Avengers gegen den Mad Titan vorgehen werden.

Nun passiert jedoch alles sehr schnell. Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) und Nebula (Karen Gillan) werden aus dem All gerettet und die Avengers machen sich auf den Weg zu Thanos geheimer Farm auf einem fernen Planeten. Doch der hat die Infinity Steine restlos zerstört und alle Hoffnung auf die Rückkehr der Gefallenen aus Avengers: Infinity War ist verloren. Thor (Chris Hemsworth) schlägt Thanos kurzerhand den Kopf ab und das Leben des Mad Titan endet.

Fünf Jahre später ist das Leben ein anderes. Steve Rogers, oder Captain America (Chris Evans) versucht den Menschen zu helfen, über das Geschehene hinwegzukommen, Natasha Romanoff, besser bekannt als Black Widow (Scarlett Johansson), leitet das von den Avengers, was noch übrig ist, Bruce Banner (Mark Ruffalo) hat seine beiden Seiten vereint und ist zu Professor Hulk geworden, Thor ist nun ein sich selbst bemitleidender Säufer, Clint wurde zum Serienmörder und Tony hat sich zur Ruhe gesetzt und mit seiner grossen Liebe Pepper (Gwyneth Paltrow) und seiner kleinen Tochter Morgan hat er nun eine kleine, glückliche Familie.

Diese Welt scheint nun die unumstössliche, wenn auch grausame Realität. Zumindest bis Scott Lang, oder Ant-Man (Paul Rudd) bei den Avengers aufkreuzt und behauptet, er hätte das Geheimnis der Zeitreisen gelöst. Erneut kommen die Avengers zusammen, um in verschiedenen Zeitabschnitten alle Infinity Steine zu sammeln. Die Rettung der Gefallenen scheint greifbar nahe. Eine Reise an Orte, die den meisten Fans aus alten Filmen bekannt sein sollten, beginnt.

Auf diesem Nostalgietrip besuchen wir noch einmal ikonische Momente der Filmreihe, wie zum Beispiel die Schlacht von New York aus dem ersten Avengers. Noch einmal stehen uns sehr emotionale Momente bevor. Tony, der noch einmal mit seinem längst verstorbenen Vater reden kann, Steve, der einen Blick auf das Leben erhascht, das ihm vor 70 Jahren verwehrt wurde und das traurige Ableben von Natasha. Die Avengers kehren in ihre Zeit zurück, doch es gibt keine Zeit zum Trauern. Hulk schnippst die Gefallenen wieder zurück ins Leben und alles scheint gerettet.

Doch Thanos aus der Vergangenheit war ihnen auf ihrer Schnitzeljagt gefolgt und nun ebenfalls in ihrer Zeit. Sofort zerstört er mit seinem gewaltigen Schlachtschiff das Avengers-Hauptquartier und ein Kampf entbricht, in dem es Captain America sogar endlich gelingt, Thors Hammer aufzuheben. Am Ende sind alle am Boden. Thor und Iron Man sind bewusstlos, nur Steve steht allein gegen Thanos’ gewaltige Armee. In diesem Moment, als alles verloren scheint, öffnen sich duzende Portale hinter Cap und all die gefallenen Helden bringen sich selbst und eine eigene Armee mit. Die unfassbarste Schlacht aller Zeiten bricht aus, in der nun wirklich alle Avengers Seite an Seite gegen die bösen Mächte antreten. Alle von Thanos gegen alle der Avengers. Bis Thanos dann doch den von den Avengers konstruierten Handschuh mit den Steinen an sich reisst.

Mit furchteinflössender Stimme sagt er: «Ich bin unvermeidlich!». Er schnippt… und nichts passiert. Die Steine prangen an Iron Mans Hand. Tony antwortet: «Und ich bin Iron Man!», und schnippt. Thanos und all seine Verbündeten zerfallen zu Staub und obwohl es Tony umbringt, alle Steine zu benutzen, findet er ein friedliches Ende. Mit dem Wissen, dass er alle gerettet hat, kann er nun endlich ruhen.

Die Beerdigung ist noch einmal voller Emotionen und Steve bringt die Infinity Steine an ihren rechtmässigen Platz in der Zeit zurück. Aber er selbst kehrt nicht zurück. Die übrigen Avengers erkennen plötzlich einen uralten Mann, der auf einer Parkbank sitzt. Der alte Steve Rogers blickt auf den See vor ihnen hinaus, mit dem Wissen, dass er endlich das Leben gelebt hat, für das er bestimmt war. Nachdem er seinen ikonischen Schild an seinen Freund Sam Wilson, oder Falcon (Anthony Mackie) weitergegeben hat, sehen wir noch einmal einen letzten Shot, in dem Steve endlich den lang versprochenen Tanz mit seiner grossen Liebe Peggy (Hayley Atwell) erhält.

Und so endet der Film. Keine Szene mehr nach den Credits. Alles was man sieht, ist das Marvel-Logo und man hört das Hämmern von Iron-Man, wie er damals, vor 10 Jahren seinen ersten Anzug in einer Höhle zusammenbaut. Da, wo alles begann. Ich kann meine Meinung gar nicht in Worte fassen. In diesem Film wurde alles erreicht, was sich die Fans jemals wünschten. Ob er als alleinstehender Film funktioniert, kann ich nicht sagen, weil ich ihn nie als solches sehen werde. Es ist auch kein alleinstehender Film, sondern das Finale von 22 Filmen. Wer sich Avengers: Endgame ansieht, dem kann ich nur empfehlen, dass er sich vorher alle Filme des MCUs ansieht, am besten noch in richtiger Reihenfolge. Denn dadurch wird der Film sicher nochmal eine Million Mal besser.

Abschliessend kann ich nur sagen, dass ich davon begeistert davon bin, wie die Russo-Brüder diese Saga beendet haben. Kein Film hat es vor Endgame geschafft, mir die Kinnlade runterfallen zu lassen, mich zum lachen zu bringen und mich mindestens die letzten 30 Minuten zum Heulen zu bringen. Wenn ich so auf, das blicke, was uns dieses Jahr noch so bevorsteht, Spider-Man: Far from Home und Star Wars IX mit einbezogen, dann bin ich sicher, dass dieser Film lange mein Lieblingsfilm bleiben wird. Wie bereits gesagt kann ich hier nicht einfach eine Zahlenwertung abgeben. Ich kann eigentlich nur sagen, dass es in meinen Augen der beste Film aller Zeiten ist, und dass keiner meiner vorherigen Lieblingsfilme auch nur ansatzweise an diesen Film herankommen.

So endet die Geschichte der Avengers. So endet die Infinity Saga. So endet eine unglaubliche Reise. Danke für alles, Marvel.