Heroes of Tomorrow – Episode 3

Episode 3: Class 1A

 

Nate – 13. August 2018

 

Der salzige Geruch der Upper Bay kam mir entgegen, als ich den Hafen erreichte. Die Sonne ging erst gerade auf. Ich musste wegen dem Weg zur Fähre und der Fährenfahrt selbst jetzt besonders früh raus. Die neuen Magnetschienen-U-Bahnen machten es aber leichter und schneller. Ok… erster Schultag. Wird schon. Ich richtete meine Jeansjacke, deren Fellfütterung mich gut vor der langsam anrollenden Herbstkälte schützte. Prim hatte mir schon geschrieben, dass wir offenbar in derselben Klasse sassen. Schön, dann hatte ich schon mal jemanden, mit dem ich mich verstand. Was Mason und Lamb anging… Mason und ich hatten seit Beginn der Sommerferien nicht gerade viel kommuniziert, und Edward hatte sich nach der Siegerehrung nach den Prüfungen sofort verdrückt. Naja, mal sehen.

 

Ich schlenderte zur Fähre und scrollte dabei meinen Chatverlauf mit Prim durch. Seit der Prüfung hatten wir jeden Abend miteinander geschrieben. Ich hatte schnell herausgefunden, dass sie eher der artistische Typ war. Photographie, Skizzenmalerei, alles was dazugehörte. Sie freute sich ziemlich auf die neue Schule. Ich war mir da nicht so sicher. Der ganze erste Jahrgang wusste jetzt, dass ich ein Akio war. Das würde es nicht gerade leicht machen. Meine schwarzmalerischen Gedanken wurden von lautem Gezanke unterbrochen.

«15 Dollar für Schüler der NY, so sind die Regeln. Wenn du keine 15 Kröten hast, bleibst du heute wohl leider an Land!», schnauzte der Ticketkontrolleuer vor der Fähre. Der Kerl, der vor ihm stand, war in meinem Alter. Er hatte violette, verstrubbelte Haare und war etwa einen halben Kopf grösser als ich. Also etwas kleiner als Edward, der noch einen halben Kopf obendrauf legte. Er trug ein offenes, kariertes Hemd mit rotschwarzem Muster und ein weisses T-Shirt mit einfachen Jeans. Er hatte einen Kaffee in der Hand und sah aus, als ob er ihn nötig hatte. Seine Augenringe waren nicht zu übersehen. Sein Rucksack machte den Eindruck, als wäre er schon ein paar Jahre zu alt, genau wie seine ausgelatschten Converse.

 

Entnervt, fast schon verzweifelt. antwortete er dem Fährmann: «Kommen Sie, Mann! Es ist der erste Schultag. Ich hab’ grad keine 15 dabei. Bitte, nur dieses eine Mal. Der Fährmann sah nicht so aus, als ob er einsteuern würde. Ich steckte mein Handy ein und lief hin. Ich kramte 15 Dollar aus meinem Portemonnaie und streckte sie dem Fährmann hin: «Ich würde seine Fahrt gerne bezahlen!»

 

Der Junge sah mich überrascht an: «Sicher, Mann?» Ich nickte freundlich: «Klar. Wir gehen jetzt auf dieselbe Schule. Wir Helden-Schüler müssen doch zusammenhalten.» Der Fährmann zuckte nur mit den Schultern und nahm das Geld entgegen. Er kontrollierte meine Monatskarte, dann liess er uns auf die Fähre. Als wir uns zwei Sitzplätze gesucht hatten, griff der verschlafene Junge meine Schulter: «Hey, wegen der 15 Dollar…» ich winkte ab: «Schon gut, gib sie mir einfach irgendwann. Kein Stress.» Er schüttelte den Kopf: «Nein, ich wollte nur Danke sagen. Ist ne Weile her, dass jemand so was Nettes für mich gemacht hat. Du hast was gut bei mir.»

 

«Nicht wegen 15 Dollar! Wenn ich dir mal wirklich den Arsch rette, dann komme ich auf den Gefallen zurück. Ich bin übrigens Nate», stellte ich mich vor und hielt ihm die Hand hin. Er schlug ein: «Rem. Rem Tombs.» Tombs… das sagte mir irgendwas. Da war vor fünf Jahren doch was gewesen, mit einem Tombs, der seine Frau ermordet hatte. Die Geschichte war überall in den Nachrichten gewesen. Er wurde gefasst und sass jetzt lebenslänglich, wenn ich mich recht erinnerte. Er hatte doch ein kleines Baby und einen Jungen von 12 Jahren zurückgelassen… vom Alter kam es hin. Zögerlich fragte ich: «Tombs… Doch nicht der Tombs, der…» Er würgte mich ab: «Doch, der Tombs. Sorry, aber ich rede nicht gern drüber.» Ich nickte: «Ok, versteh ich.»

 

«Kein ‘tut mir echt leid’ oder ‘es wird irgendwann besser’?», fragte er nach einer Weile des Schweigens. «Ich weiss genau, wie sowas ist. Ich hab’s immer gehasst, wenn das jemand zu mir gesagt hat.» Er sah mich fragend an. «Ich bin Nathan Akio. Der Sohn von Redox. Als er… naja, damals haben sind mir viele mit so einem Dreck gekommen. Und das hat’s eher schlimmer gemacht, als irgendwas anderes. Ich hab’ mich wegen ihm bei der NY beworben. Aber in einer Gewissen Weise ist es auch ein Neuanfang für mich. Ein Weg, das alles… hinter mir zu lassen.» Rem sah mich erst mit offenen Augen an, dann lächelte er und öffnete seinen Rucksack. Er holte einen zweiten Kaffee raus, den er sicher als zweite Ration angedacht hatte. Er reichte ihn mir: «Auf Neuanfänge!» Ich nahm den Becher und tippte ihn gegen seinen. Noch jemand, mit dem ich mich an der Schule gut verstehen würde.

 

Wir gingen von Deck und betraten Liberty Island. «In welcher Klasse bist du eigentlich, Nate?», fragte Rem, nachdem er seinen leeren Kaffeebecher entsorgt hatte. Ich checkte die Mail, die ich vor zwei Tagen erhalten hatte: «Klasse 1A. Und du?» Er grinste: «Na dann mal frohen Mutes, mein Leidensbruder!»

 

Wir schlenderten an Finnicks’ Statue vorbei und betraten das Schulgebäude. Es herrschte schon ein heller Aufruhr, alle Schüler wuselten in der Halle umher und suchten nach ihren Zimmern. Kein Stress. Wir hatten noch locker 20 Minuten, um ins Zimmer 110 zu kommen. Neben dem Eingang lehnte ein kleinerer Junge mit grauen Haaren. Ich erkannte ihn sofort. Es war derselbe Junge, der in der Aufnahmeprüfung das süsse Mädchen ‘gerettet’ hatte. Er trug immer noch seine klassische Nerd-Brille, hatte seine Trainingshose allerdings gegen ein Paar Jeans eingetauscht. Einen grauen Hoodie trug er nach wie vor. Vielleicht sogar derselbe. Er erkannte mich ebenfalls sofort: «Hey, Eiszapfen! Geht’s dir wieder gut? Alles noch dran? Wir sind uns nie offiziell vorgestellt worden. Ken Stanley, Klasse 1A. Meine Freunde nennen mich Kenny.»

 

«Ja, alles ok. Danke der Nachfrage, Kenny. Ich bin Nate… andererseits weisst du das nach gestern ja schon. Das ist Rem. Wir sind auch in 1A», antworte ich. Die Geschichte mit Prim würde ich wohl eine Weil nicht mehr loswerden. Wo war sie eigentlich? Sicher schon im Klassenraum. Kennys Augen leuchteten: «Ach, zwei Mitstreiter! Das trifft sich ja gut. Na, dann sagt mal Jungs, welches Häschen hier würdet ihr den jetzt gerne vernaschen. Ich spähe schon den ganzen Morgen. Welche ist eure Droge?» Ich und Rem wechselten nervös einen Blick. Kenny lachte und legte uns die Arme um die Schultern: «Ach, Leute, wir werden noch sehr viel Spass zusammen haben. Schlüpfrige Eskapaden wie sie im Buche stehen! Also los, kommt. Lasst uns nachsehen, was wir für Hühner in der Klasse haben. Ich bin schon ganz gespannt!» Ich musste mir dringend merken, ihn von Prim fernzuhalten. Wir machten uns auf den Weg.

 

Wir liefen die Treppe hoch. Es war nicht lange her, dass ich hier stand, vor all den anderen Schülern. Ich wünschte ich hätte gewusst, was sie dachten. Was alle jetzt bloss in mir sahen. Eine Bedrohung? Ein Idol? Bei meinem Glück eher ersteres. Als ich mich fragte, was für einen Einfluss das wohl auf meine Rolle in der Klasse haben würde, wurde mir etwas hart gegen den Kopf gerammt und ich ging zu Boden. Ich sah für einen Moment Sterne, dann fixierte sich mein Blickfeld wieder und ich sah in das Gesicht eines blonden Jungen. Er trug Art metallener Schutzbrille in den Haaren und hatte ein paar Sommersprossen im Gesicht. Überall um ihn herum waren Blaupausen und Notizzettel verteilt und er schien eine Art Werkzeuggürtel unter seinem schlecht geknöpften Hemd zu tragen. Er sah mich erst einen Moment perplex an, als er sich erholt hatte, dann lief er rot an und half mir auf: «T-tut mir echt mega, mega Leid! Sowas passiert mir dauernd. Liegt wohl daran, dass ich immer mit dem Kopf wo anders bin. Tut mir echt leid.» Ich nickte nur ab. «Keine Sorge, ich hab’ auch nicht aufgepasst. War auch meine Schuld. Ich bin Nate. Das sind Rem und Ken. Klasse 1A. Und du bist?», fragte ich nach.

 

Seine Augen blitzten auf: «Ihr seid auch in 1A?! Wie geil! Ihr habt Glück, ihr seid nämlich mit dem grössten Erfinder in der Klasse, den man sich vorstellen kann: Armin Ziegler!» Er war definitiv einer der enthusiastischeren Typen… Rem hob seine Unterlagen auf. Ich erkannte eine Vielzahl an Erfindungen, von Jetpacks, über mechanische Arme, bis hin zu kleinen Reaktorkernen. Der junge war echt ein Genie. Und auch noch zu unserem Vorteil, wie mir schien. Auf dem Weg zum Klassenraum erzählte er uns, wie sehr er sich darauf freute, für die ganze Klasse Gadgets herzustellen. Da er etwas kleiner als ich war und eine unerschöpfliche Energiequelle zu sein schien, kam er mir sehr kindlich vor. Vielleicht bildete ich mir das aber auch nur ein.

 

«Lebende Batterie, hm? Schonmal über ein System nachgedacht, dass die Energie schneller in deinem Körper verteilt. Oder Reservebatterien die energieeffizienter sind? Vielleicht etwas, was dich nahe Energiequellen schneller erkennen lässt?», feuerte er mit Fragen auf mich. Energie hatte er definitiv. Bevor ich auch nur ansatzweise alle beantworten konnte, waren wir bei Raum 110 angekommen. Und vor der Tür stand niemand geringeres als Edward Lamb. Ich nickte den anderen zu, dass sie schon mal ins Zimmer gingen.

 

Lamb sah schuldbewusst auf den Boden: «Das, was ich über deinen Vater gesagt habe, tut mir leid. Er war ein Held, egal was ich über ihn gesagt habe. Und tut mir leid, dass ich dich unterschätzt habe. Gewissermassen haben du und diese Primrose den Test besser durchschaut, als wir alle zusammen. Nur ihr habt diese heldenhafte Aufopferungsbereitschaft schon in euch, die wir anderen offenbar noch lernen müssen.» Ich hielt ihm entgegenkommend die Hand hin: «Freunde?» Er war überrascht, dass ich ihn so schnell vom Haken liess, aber dann nickte er freundlich und schlug ein: «Freunde.» Ich würde an dieser Schule schon genug Feinde haben. Edward würde keiner von ihnen sein.

 

Ich öffnete die Tür des Schulzimmers und wir traten ein. Plötzlich spannte sich Edwards Gesicht an. Der Punkt auf seiner Stirn begann wieder zu leuchten. Ich drehte mich zur Seite. Mason stand vor mir, mit einem Blick der tausend Babys getötet hätte. Die Flamme, die aus seiner Handfläche schoss schwebte regungslos in der Luft, ungefähr 10 Centimeter von meinem Gesicht entfernt. Mason war umgeben von einer lila Aura umgeben. Ich trat zur Seite und Ed liess Mason frei. Die Flamme flog durch das halbe Klassenzimmer.

 

«Was machst du hier Akio!? Du verpisst dich besser aus meinem Klassenzimmer, oder…» Er presste mich an die Wand und drohte erneut mich zu verbrennen. Ed packte seine Hand: «Oder was?» Mason sah ihn gereizt an: «Was ist dein Problem, Brillenschlange?» Ed sah mit giftigem Blick zurück: «Das ist unser erster Schultag. Es ist noch etwas früh, um sich Feinde zu machen. Findest du nicht?» Mason wollte gerade auf Ed los, als seine Augen sich weit öffneten. Sein Schritt war komplett vereist.

 

Prim kam hinter ihm hervor und trank entspannt, und definitiv auch amüsiert, aus einer Wasserflasche. Mason suchte schnell das Weite: «Das kriegst du zurück Eishexe! Das schwör ich dir!!!» Prim legte ihren Arm um meine Schulter und grinste: «Ich hab’ das Gefühl, dass ist der Beginn eines wundervollen Schuljahres.» Ed unterdrückte ein Lachen.

 

Meine Kleine Gruppe nahm fast die ganze letzte Reihe des Zimmers ein. Ich sass ganz links. Daneben Prim, Rem, Ed und Armin. Neben Armin sass ein zerbrechlich aussehendes Mädchen mit schwarzen Wuschelhaaren und Rollkragen und Brille. Kenny sass vor mir. Neben ihm hatte das blonde Mädchen aus der Aufnahmeprüfung platzgenommen. Die perfekte zehn mit dem Bienenschwarm. Mason sass ganz vorne rechts. Der Rest der zwei vorderen Reihen war mir gänzlich unbekannt. Als ich mich ein wenig mit allen bekannt machen wollte, ging die Tür mit lautem Quietschen auf. Ein Mann von etwa 35 Jahren mit schwarzen langen Haaren und schwarzem Outfit, inklusive Trainingshose, betrat den Raum. Er schien Asiate zu sein und hatte schulterlange, schwarze Haare. Er trug auch noch einen ewiglangen, grauen Schaal, der eher so aussah, als hätte er ihn einer Mumie gestohlen. Er hatte eine fette Thermoskanne mit Kaffee in der Hand, die er ganz offensichtlich nötig hatte, und schien sich schon einige Tage nicht mehr rasiert zu haben. Er trat langsam ans Lehrerpult und sah uns mit demotiviertem Blick an: «Hallo Klasse… oder wie auch immer. Für euch bin ich Mr. Aizawa, eurer Klassenlehrer. Willkommen zum ersten Schultag und all so ein Scheiss.»

 

Wir sahen ihn alle skeptisch an. Er kam mir irgendwie bekannt vor. Ich konnte ihn aber nicht einordnen. Schien kein berühmter Held zu sein. Er öffnete wortlos seinen Schreibtisch und klatschte einen fetten Ordner auf den Tisch. Dann sortierte er ein paar Blätter aus und stellte sich vor den Schreibtisch: «Wir fangen heute damit an, dass ich euch sage, was ihr in der Aufnahmeprüfung falschgemacht habt.» Toller Start um seine Schüler zu begrüssen. Naja, bis jetzt immer noch nicht der schlechteste Lehrer, den ich je hatte.

 

Er fing bei Mason an: «Mason Parker. Quirk: Entflammung. Viel zu aggressiver Kampfstil. Du hast mehrere Mitprüflinge und Katastrophenopfer gefährdet. So in Verhalten dulde ich hier nicht, damit dass klar ist.» Mason knirschte mit den Zähnen, nickte aber. Mr. Aizawa machte weiter. Der Kerl, der neben Mason sass, war hatte einen dieser blonden Frisuren, bei denen die Seiten ultrakurz geschnitten waren. Der Rest seiner Haare machte denselben Eindruck wie sein Gesichtsausdruck. Elektrisiert. «Nicolas Watts. Quirk: Elektrisierung. Du verlässt dich viel zu sehr auf deinen Quirk. Nicht nur, dass du mit deinen Elektro-Angriffen andere Schüler verletzen könntest, dein Hirn wird durch die Stromstösse auch noch lahmgelegt. Daran arbeiten wir.»

 

«Bist du nicht der Kerl, der ab der Mitte des Tests mit bescheuertem Gesichtsausdruck dauernd in die Wand gelatscht ist?», stichelte Mason. Nicolas sah ihn wütend an: «Hey, Mr. Anger-Issues! Suchst du Streit?! Kannst du gerne haben!» Diese Beleidigung schien irgendwie genau wie etwas, dass Mason sagen würde. Der sah Nicolas nur perplex an, dann grinste er und hielt ihm die Hand hin: «Du gefällst mir, Kurzschluss!» Nicolas schlug verwirrt ein.

 

«RUHE!!!», rief Aizawa gereizt. Als die beiden erschrocken verstummten, machte er weiter: «Oliver Jones. Quirk: Kristallisation. Mit einem Quirk, der dir einen Kristallpanzer um den Körper erschafft, hätte ich dich eher als Kämpfer eingeschätzt, und nicht als einer, der nur Verwundete beschützt. Starker Beschützerinstinkt. In meinem Buck ein Plus.» Der braunhaarige Sportler atmete erleichtert auf. Er sah bullig aus, aber in seinen Augen konnte man eine friedliche Seele erkennen.

 

Aizawa wandte sich dem kleinen Jungen mit der grossen Sonnenbrille und der Cap zu: «Harry Gazer. Quirk: Laseraugen. Du musst dringend lernen, deinen Quirk zu kontrollieren. Du hast fast das ganze Testareal auseinandergenommen. Fürs erste gestatte ich die Sonnenbrille, damit du uns nicht alle halbierst. Aber halt dich ran.» Der Junge rieb sich schüchtern den Hinterkopf.

 

«Nico Midnight. Quirk: Schatten Kontrolle. Sohn von Mrs. Midnight? Hier steht, dass du ausdrücklich darum gebeten hast, nicht in ihre Klasse zu kommen? Versteh ich. Würde auch nicht in die Klasse meiner Mom sitzen. Dein Quirk ist in hellem Licht relativ nutzlos. Du solltest einen Weg finden, das zu lösen. Sonst bist du mehrheitlich nutzlos.» Der dünne, schwarzhaarige Junge. Zog die Kapuze seines schwarzen Hoodies hoch. Er spielte mit seine Totenkopfringen und sah nicht in Aizawas Augen. Das mit seiner Mom schien ihm peinlich zu sein. Er nickt trotzdem: «Ja, Sir.»

 

«Toni Castello. Quirk: Tintifizierung. Du hast auch eher einen aggressiven Angriffsstil. Deine Fähigkeit, Tintenobjekte aus deinen Tätowierungen zu erschaffen, ermöglicht es dir auch tödliche Objekte zu erschaffen. Also sei vorsichtig.» Das Mädchen mit den glatten schwarzen Haaren nickte wortlos. Sei gab eine intensive Emo-Aura von sich und hatte überall Tattoos. Logisch, bei ihrem unglaublichen Quirk.

 

Aizawa kam zu Reihe zwei: «Ken Stanley. Quirk: Magnetismus. Du… tu… einfach… Etwas mehr Professionalität am Arbeitsplatz, ok. Niemand mag einen gruselig aufdringlichen Helden. Sonst gute Arbeit.» Kenny sah uns triumphierend an, als ob der erste Teil niemals stattgefunden hätte. Als nächstes die Blondine: «Hannah Queens. Quirk: Bienenkönigin. Ausgezeichneter Einsatz deines Quirks. Mit Bravour bestanden. Achte etwas mehr auf deine Umgebung. Das ist alles.» Kenny sah sie mit verführerischem Blick an: «Ich wette, das ist nicht das einzige, was du mit Bravour bestehst.»

 

«Stanley…», seufzte Aizawa genervt. «’Tschuldigung, Mr. Aizawa», antwortete Kenny. Hannah warf ihm einen angeekelten Blick zu. Nicht ganz unverdient, um ehrlich zu sein. Das musste er echt noch üben. Die rothaarige mit dem Pferdeschwanz war die nächste: «Emma Little. Quirk: Grössen Manipulation. Achte immer gut darauf, wie gross du die Objekte machst, die du wirfst. Sonst bringst du irgendwann einen Wolkenkratzer zu Fall.» Ihr schien der Gedanke irgendwie zu gefallen.

 

Das nächste Mädchen hatte grüne Haare, die mich fast schon an Lianen erinnerten. Sie hatte ein friedvolles, schönes Gesicht und hatte ihren ganzen Tisch mit Pflanzen vollgepackt. Ökotussen-Alarm. Aizawa ignorierte die Pflanzen: « Sara Ivy. Quirk: Pflanzenleben. Konzentrier dich bitte mehr auf das Leben von Katastrophenopfern und nicht auf das deiner Pflanzen.» Sie schien ihm nicht zuzustimmen, nickte aber und machte friedlich das Peace-Zeichen.

 

Aizawa ging weiter zu dem hyperaktiven, kleinen Mädchen, mit den schulterlangen, rosa Haaren. Sie schaukelte wild auf ihrem Stuhl herum. «Naomi Ricket. Quirk: Teleportation. Denk auch mal nach. Du kannst dich nicht einfach überall rum teleportieren. Am Ende endest du in ‘ner Wand oder sowas. Verstanden?» Sie nickte aufgeweckt und schaukelte noch heftiger. Aizawa packte den Stuhl: «Hör. Auf. Damit!» Sie wurde plötzlich ganz still. Ab zur nächsten.

 

Das Mädchen mit den braunen Haaren war auch unglaublich hübsch. Mit ihren hohen Wangenknochen hatte ihr Gesicht etwas Adeliges. Sie sah aber echt nett aus. «Anastasia Van Hayward. Stipendium.» Er ging wortlos weiter. Ich wandte mich verwirrt an meine Freunde: «Stipendium?»

 

«Wenn du keinen Quirk besitzts, der in einem Kampfszenario wie der Aufnahmeprüfung von Vorteil ist, hast du einen klaren Nachteil. Deswegen kriegen Kinder aus Heldenhäusern oder ganz selten auch Normalos die Chance auf ein Stipendium für die NY. So hab ich’s geschafft», flüsterte Rem. Aizawa war bei dem kleinen Mädchen mit dem Rollkragen angekommen: «Holly Stein. Quirk: Schwarzes Loch. Du nutzt deinen Quirk nur zur Ablenkung. Es ist zwar riskant, aber mit so einer Kraft könntest du durchaus eine grosse Heldin werden.» Die kleine nickte schüchtern.

 

Während Aizawa mit Armin über seinen Quirk ‘Mechanische Fusion’ redete, ein Quirk, der es ihm erlaubte mit jeder Maschine zu fusionieren und sie zu kontrollieren, dachte ich über die Stipendien nach. Rem hatte auch eins bekommen. Was war überhaupt sein Quirk? Offenbar brachte es nicht wirklich Vorteile im Angriff mit… ich musste es wissen!

 

«Nate Akio…», sagte Aizawa, als er vor mir stand. Ich war so in Gedanken gewesen, dass ich ihn gar nicht bemerkt hatte. Irgendwas hatte sich an seinem Gesicht verändert, als er meinen Namen ausgesprochen hatte. Ich konnte aber nicht genau deuten, was es war. Er lehnte sich über meinen Tisch: «Du bist in einem Kampf vollkommen planlos und hast keinerlei Strategie. Du hast in der gesamten Prüfung nur einen Schlag gelandet und er hat dich drei deiner vier Gliedmassen gekostet. Ein Glaspanzer bringt einem rein gar nichts. Er kann zwar reinhauen, zerstört sich dabei aber selbst. Wenn du nicht lernst, deinen Quirk zu kontrollieren, dann sehe ich schwarz für dich.»

 

Er wollte gerade wieder nach vorne gehen, als ich von meinem Stuhl aufsprang: «A-aber ich hab’ den stärksten Gegner der ganzen Prüfung besiegt! Ich weiss, dass ich fast drauf gegangen wäre, aber ist das nicht der Sinn eines Helds? Bereit zu sein, sich für andere zu opfern?» Mr. Aizawa drehte sich nicht mal nach mir um: «Wieso wollen Sie noch mal ein Held werden, Akio? Tot bringst du der Welt rein Garnichts.» Ich blieb starr an meinem Pult stehen. Redete er etwa von… ich ballte meine Fäuste. Mir steckte ein Kloss im Hals. Prim hatte auch verstanden. Sie wollte nach meinem Arm greifen, aber ich zog ihn weg. Die Szene wurde durch die Schulklingel unterbrochen.

 

«So ein Arschloch. Einen Schüler einfach so fertig zu machen. Den sollte man fristlos entlassen», regte sich Ed auf. Ich stocherte mit meiner Gabel in meiner Lasagne rum. Die Cafeteria hatte dank des Kochhelden Cookster richtige Delikatessen im Angebot. Ich wollte die anderen nicht beunruhigen, deswegen warf ich Ed ein schwaches Lächeln zu: «Schon okay, Ed. Aizawa hat recht. Ich hab’ noch viel zu lernen.» Edward schüttelte den Kopf: «Ja, aber dich so persönlich anzugreifen… unfassbar!»

 

Nebenbei lauschte ich Armins und Hollys Unterhaltung. Holly erklärte gerade mit ihrer sanften, ruhigen Stimme ihren Quirk: «Naja, es ist nicht so richtig klar, ob es jetzt wirklich Schwarze Löcher sind, die ich erschaffe. Sie funktionieren nicht so ganz wie schwarze Löcher… eher wie Wurmlöcher. Ich erschaffe aber aus versehen welche, wenn ich mir wehtue. Es ist wie ein Reflex.» Armin machte sich fasziniert Notizen: «Bitte! Lass mich jeden Millimeter deines Körpers erforschen!» Holly lief knallrot an: «W-was?!» Sie versteckte ihr Gesicht hinter ihren Händen. «Oh… sorry, das kam falsch rüber. Ich meine auf wissenschaftliche Weise», versuchte Armin, der jetzt auch knallrot war, seinen Fehler auszubessern.

 

Plötzlich fiel mir die Frage wieder ein, die ich mir vor der ganzen Sache mit meinem Dad gestellt hatte: «Rem, ich muss dich was fragen. Was ist dein Quirk?» Rem blickte erst überrascht auf, dann wirkte er plötzlich überraschend unsicher: «I-ich… darüber rede ich normalerweise nicht gern…»

 

«Komm schon, wir erfahren es früher oder später sowieso», warf Prim ein. Wir sahen ihn all erwartungsvoll an. Rem seufzte: «Gut… ich zeig’s euch.» Er knackste mit Finger und Nacken. Wir alle sahen ihn gespannt an. «Nate, wie findest du das Wetter heute?», fragte er. Ich sah ihn verdutzt an: «Ganz gut, waru…» Weiter kam ich nicht. Rems Augen blitzten rot auf. Ich konnte keinen meiner Muskeln mehr bewegen. Ich versuchte es mit all meiner Kraft, aber vergebens. Plötzlich bewegte sich meine rechte Hand komplett von allein zu meinem Messer hin. Ich griff es, ohne zu wollen. Ich ritzte drei Grossbuchstaben in meine Lasagne: REM.

 

Plötzlich konnte ich mich wieder bewegen und schnappte heftig nach Luft. W-was zum Teufel war d-das? Es war fast so, als wäre ich nur noch ein Zuschauer in meinem eigenen Körper…», stotterte ich immer noch total ausser mir. Rem nickte: «Gedankenkontrolle. Ich kann jeden kontrollieren, der mir eine Frage beantwortet. Deswegen das Stipendium. So ein Quirk bringt nicht viel gegen Roboter. Ich weiss aber immer noch nicht, wer mir das Stipendium verschafft hat.»

 

Wir alle sahen Rem sprachlos an. Dann hob ich meine Hand und hielt sie ihm zu einem High-Five hin: «Das. Ist. Der coolste Quirk, denn ich je gesehen habe!» Jetzt sah Rem mich geschockt an. Zögerlich klatschte er mich ab: «Wirklich? Ihr könnt das doch nicht alle so sehen, oder?» Ed nickte: «Klar, es ist etwas gruselig. Aber es ist eine verdammt gute Fähigkeit, das steht fest. Eines wahren Helden würdig.» Rem sah plötzlich aus, als würde er gleich anfangen, zu heulen.

 

«Was ist los?!», fragte ich hilflos. Rem wischte sich eine Träne ab: «Es… es ist nur… wegen meinem Dad… und wegen dieser Fähigkeit haben die Leute mich mein Leben lang als Bösewicht abgestempelt. Ich kann sie nicht mal verurteilen. Der Quirk passt wirklich mehr zu einem Bösewicht… aber… aber ich wollte immer schon ein Held sein. Und… ihr seid die ersten, die mich nicht so sehen.» Ich musste lächeln: «Du wirst mal ein unglaublicher Held. Genau wie wir alle.» Rem rieb sich verlegen den Nacken.

 

Ich wollte was sagen, aber dann stockte mir der Atem. Ein grosser Mann mit schwarzen Haaren und Bart betrat die Cafeteria. Er trug einen marineblauen Heldenanzug, der aus metallischen Schuppen bestand. Um seine Arme und Beine waren hohle Ringe, die mit Wasser gefüllt waren und ein eisernes Dreizack-Logo prangte auf seiner Brust. Seine blauen Augen sahen hinter seiner schlichten, blauen Maske hervor und überblickten grimmig das Areal. Da, am Eingang der Cafeteria stand niemand wenigeres, als… der neue Held Nummer 1! Harvey Hydro, auch bekannt als Aquatic, lief durch die Cafeteria wie ein ganz normaler Mensch… Er war im echten leben genau so wie im Fernsehen. Irgendwie bedrohlich und furchteinflössend. Er war keiner dieser Helden, wie mein Dad einer gewesen war. Manch einer fragte sich, warum er überhaupt erst ein Held geworden war. Wahrscheinlich nur, um der Beste zu sein. Definitiv kein Mann des Volkes. Dad hatte ihn immer als einen Tsunami bezeichnet. Teils wegen seiner Persönlichkeit, teils wegen seinem Quirk, Wasserbändigung. Aber eins stand fest; einer der grössten Männer aller Zeiten und der grösste Rivale meines Vaters war nun mit mir in einem Raum.

 

Prim musste meinen offenen Mund bemerkt haben, denn sie sah mich mit hochgezogener Augenbraue an: «Was ist los, Nate? Mach den Mund zu, du verschluckst noch ne Fliege.» Ich zeigte in Aquatics Richtung. Alle sahen in die Richtung und hatten ungefähr dieselbe Reaktion wie ich. Ausser Prim. Die sprang ruckartig vom Stuhl und duckte sich auf Tischhöhe. Sie bewegte sich schnell in Richtung Ausgang. «Was ist denn los?», rief ich hinterher, aber sie antwortete nicht.

 

Sie ging immer schneller auf den Ausgang zu, bis sie kurz davorstand. Eine tiefe Stimme brachte sie zum Erstarren: «Primrose! Nimm gefälligst Haltung an. Ich hab’ dir nicht erlaubt an diese Schule zu kommen, damit du dich wie eine Vollidiotin aufführst. Du bist die Tochter der Nummer 1. Verhalt dich auch so, Mädchen.» Sie drehte sich zu ihm um und sah ihn argwöhnisch an. Dann rannte sie aus der Cafeteria, soeben von ihrem Vater vor der ganzen Schule gedemütigt. Ich stand auf und wollte hinterher. Ed hielt mich fest: «Das Letzte, was sie jetzt will, ist über ihren Vater reden. Lass ihr ein wenig Luft.» Ich nickte. Ed hatte recht. Sie brauchte Zeit, um sich zu beruhigen. Ich setzte mich und ass meine verunstaltete Lasagne auf.

 

«HEEYYY, FAM!!! Was geht?!» begann Impulsor mit seiner gar nicht nervigen Stimme, den Nachmittagsunterricht anzumoderieren. «Falls ihr euch fragt, wo mein Homie Shouta… ähm ich meine Mr. Aizawa ist, er wird euch nur in Fächern wie Mathe, Physik, Chemie, Bio und natürlich Heldentraining unterrichten. Ich bin euer Mann fürs Kreative! Die Künste und Sprachen, you know what I mean?»

 

Ich war nicht gerade traurig darüber, dass Aizawa uns nicht mit seiner Anwesenheit beehrte. ‘Auf dem falschen Fuss gestartet’ war stark untertrieben. Was hatte er wohl gegen meinen Vater? Mr. Grayson redete weiter: «Bevor wir mit einem geilen, neuen Thema anfangen müssen wir allerdings noch was Wichtiges abhaken: Wer wird Klassensprecher und Co-Klassensprecher?! Ich schlage vor, wir stimmen ab!» Alle blickten interessiert auf. Natürlich, wir mussten noch die wichtigsten Positionen festlegen. Aber das hier war etwas anderes, als an normalen Schulen. In der Cafeteria hatte man die Klassensprecher sofort erkannt. Sie waren die Anführer, die in einem Notfallszenario die Führung übernahmen. Das war in unserer Schullaufbahn besonders wichtig.

 

Impulsor teilte jedem ein kleines Blatt aus: «Überlegt euch gut, für wen ihr stimmt. Die Positionen ändern sich in den nächsten drei Jahren nicht mehr. Ihr könnt aber natürlich auch für euch selbst stimmen. Hab’ ich damals auch gemacht.» Er grinste und zwinkerte uns zu. Ich sah auf das Blatt. Für wen sollte ich stimmen. Natürlich war ich selbst eine Option, aber war ich bereit für so viel Verantwortung? War ich bereit, die Klasse zu führen, selbst in einer Situation, die tödliche Konsequenzen haben konnte. Nein, ich musste jemanden finden, der in so einer Situation einen rationalen und kühlen Kopf behielt.

 

Ich wurde von Naomi aus den Gedanken gerissen, die plötzlich vor mir aus dem Nichts auftauchte, umgeben von kleinen, rosa Wölkchen. Ich fiel fast vom Stuhl. An solche Teleport-Momente konnte ich mich wohl gewöhnen. Sie sah mich mit schräger Kopflage an und spielte mit ihren rosa Haaren: «Bist du fertig? Du bist der Letzte, Natie!» Ungeduldig tippte sie mit einem Fuss auf den Boden. Ich erholte mich von meinem Schreck. Nach einem kleinen Moment war ich mir sicher. Ich schrieb Edwards Namen auf das Blatt. Er war die beste Option, ohne Zweifel. Rational und strategisch. Naomi schnappte sich den Zettel, teleportierte sich ans Lehrerpult, wo sie den Stapel ablegte und teleportierte sich wieder an ihren Platz. In circa zwei Sekunden wohlgemerkt. Die kleine fackelte echt nicht lange rum.

 

«Danke Kleine. Na gut, Leute! Sehen wir’s uns mal an», griff Repulsor theatralisch die Zettel und lass alle Namen durch. Er schnappte sich ein Stück Kreide und begann damit, die drei Besten aufzuschreiben. Schülersprecher, Co-Schülersprecher und Back-Up, nahm ich an. Ich sah perplex an die Tafel. Back-Up war Anastasia. Nachvollziehbar, mir war sie auch in den Sinn gekommen. Sie schien nett, freundlich und analytisch. Also kein schlechter Pick. Sie hatte zwei Stimmen. Aber dann wurde es unnachvollziehbar. Auf Platz zwei, mit drei Stimmen, war ich! Warum?! Wegen meines Dads etwa? Auch egal, denn auf Platz eins war mein Kandidat. Ed dominierte mit vier Stimmen. So, wie ich es erwartet hatte. Ed hatte diese Ausstrahlung. Er schien wie der perfekte Anführer.

 

«Ok, macht ein bisschen Stimmung für Mr. Lamb, Mr. Akio und Miss Hayward», begann Repulsor zu klatschen. Die anderen taten es ihm gleich. Ich fühlte mich irgendwie unwohl bei der Sache. Ich wusste nicht so recht, was ich auf dieser Position verloren hatte. Aber ok, die Klasse hatte mich wohl ‘auserkoren’. Wird schon schief gehen. Ausserdem war ich ja nur Unterstützung. Ed nickte mir ermutigend zu. Ich nickte zurück. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, ergriff Repulsor wieder das Wort: «Na gut, Zeit für eine freshe Englischstunde! Heute beschäftigen wir uns mit Phonetics!» Ihr wollt mich doch verarschen…

 

Als die Schule aus war hefteten Rem und ich uns gleich an Prim. Sie schien immer noch etwas mitgenommen von heute Mittag. Rem warf seine Hände in die Luft: «Mach dir nichts draus, Prim. Seine Eltern kann man sich nicht aussuchen. Ich meine, mein Dad ist ein psychotischer Mörder! Es geht immer noch ein bisschen schlimmer.»

 

«Genau. Und wenigstens hast du deinen Dad noch. Das ist doch schön, nicht? Vielleicht könnt ihr euer Verhältnis ja verbessern», fügte ich hinzu. Prim zuckte bei dieser Aussage zwar etwas zusammen, nickte aber: «Danke, Jungs. Ihr seid die Besten.» Sie lächelte wieder. Gott sei Dank. Als wir das Schulgebäude verliessen fiel ich mit Prim etwas zurück. «Hey… ich finde, dass du Aquatics Tochter bist ist echt ultracool», flüsterte ich ihr zu. Sie grinste: «Hey, ich wär’ vorsichtig, Redox! Nach unseren Vätern sollten wir bittere Rivalen sein.» Sie spielte ein argwöhnisches Gesicht. Wir lachten.

 

Die Sonne ging gerade über der Bay unter. Die anderen waren schon losgegangen, weil sie pünktlich zuhause sein mussten. Ich aber sass noch hier am Pier und genoss den Sonnenuntergang. Ich dachte über den Tag nach. Ich war wohl nicht der einzige mit Vaterproblemen. Meinen Freunden ging es genau gleich. Ich holte Dads Actionfigur aus dem Rucksack. Das hellblaue Sternlogo auf seiner Brust war mittlerweile fast verblichen. Er hatte ihn immer den Funken der Hoffnung genannt. Erst später war mir aufgefallen, wie passend der Name war. Ich sah aufs Meer hinaus. Raus, aufs weite Meer…

 

«Hey», sagte Ed und setzte sich neben mich. «Was machst du noch hier?» Ich zuckte mit den Schultern: «Ach, nur nachdenken. Den Sonnenuntergang ansehen.» Ed nickte und erkannte die Figur in meinen Händen: «Das sehe ich.» Wir schwiegen eine Weile.

 

Als die Sonne vom Horizont verschwunden war, sah Ed mich an: «Ich weiss, dass du für mich gestimmt hast Nate… willst du was wissen?» Ich sah ihn neugierig an. «Ich hab’ für dich gestimmt.» Jetzt war ich perplex: «Warum? Du kennst mich doch gar noch nicht so lange? Warum für jemanden stimmen, den du erst grade kennengelernt hast?»

 

Er schüttelte den Kopf: «Warum haben Rem und Prim wohl für dich gestimmt?» Hm… ich hätte es wissen müssen. «Sie sind deine Freunde, ja. Aber es geht um viel mehr. Du bist ihm wirklich ähnlich, deinem Dad, weisst du? Ihr habt diese selbe Ausstrahlung. Man sieht dir an, dass du ein Held bist, dass du mal ein grosser Held sein wirst. Ich hab’ viel Schlechtes über deinen Dad gesagt, aber es gibt einen Grund, warum man ihn als Symbol des Friedens bezeichnet hat. Er hatte den Titel verdient.»

 

«Auf was willst du raus, Ed?», fragte ich. Er sah mich ernst an: «Aizawa hat dich heute was gefragt. Wieso willst du ein Held sein, Nate?» Die Frage kam überraschend. Aber aus irgendeinem Grund fiel es mir diesmal nicht schwer, sie zu beantworten: «ich will ein Held werden, weil ich so sein will wie er. Ich will den Menschen Hoffnung schenken, sie beschützen. Ich will… ich will das nächste Symbol des Friedens werden!» Ed nickte, als ob er die Antwort erwartet hätte.

 

«Du… musst mich jetzt für ziemlich kindisch halten, was? Eigentlich ist es ein blöder Traum», setzte ich an, jetzt etwas verunsichert. Ed sah mir in die Augen und legte mir die Hand auf die Schulter: «Nate. Ich komme aus einer Familie, di nur aus Helden besteht. Es ist das Familiengewerbe. Und auch bei uns hat es schon Leute erwischt. Ich weiss wie es ist, wenn man in die Fussstapfen dieser Leute treten möchte. Aber der wahre Grund, warum Rem, Prim und ich dich gewählt haben, ist dass wir ihn in dir sehen. Du hast es im Blut. Wir glauben, dass du das Zeug hast, unsere Klasse zu repräsentieren. Wir glauben, du kannst diese Generation von Helden repräsentieren. Du bist der erste, denn ich treffe, von dem ich denke… er könnte das nächste Symbol des Friedens werden!»

 

Ich war etwas überwältigt. Ich griff die Actionfigur fester. Ed hielt mir seine Hand hin: «Also enttäusch mich besser nicht. Verstanden, Akio?» Ich grinste: «Kannst dich drauf verlassen, Lamb!» Ich schlug ein.

 

Mein Name ist Nate Akio. Ich bin nur einer von vielen, aber mein Vater war ein Licht der Hoffnung für die ganze Menschheit. Aber das hier ist meine Geschichte. Geschichte, wie ich ebenfalls zu einem Licht der Hoffnung werde, das Symbol des Friedens. Zusammen mit meinen Freunden an der New York Hero Academy trainiere ich hart. Irgendwann werden wir die grössten Helden der Welt sein. Aber im Moment sind wir…

 

Die Helden von Morgen.